Was die Presse über "Rezeptfrei" schreibt


Augsburger Allgemeine, 21.02.2011

Impro-Theater

„Rezeptfrei“: Sie wünschen, wir spielen

Sechs Darsteller, ein Pianist halten Publikum auf Trab von Regina Langhans


Eine Show, die auf Kostüme verzichtet, weil sie von Spontaneität und Improvisation lebt. Von links: Jörg Zenker, Laura Sonntag, Axel Heim, Tine Bayerle, dahinter Sigi Motzke und Ronald Berner.

Roggenburg „Wir spielen ohne Drehbuch, dafür aber ein Feuerwerk an nie da gewesenen und nie wiederkehrenden Szenen, eine Premiere exklusiv für Sie“, wirbt Tine Bayerle mit theatralischer Stimme um die Gunst der Zuschauer. Und zugleich um ihre Bereitschaft, sich auf den Abend mit „Rezeptfrei“ einzulassen. Denn Improvisationstheater brauche das Mitmach-Publikum, erläutert Axel Heim. Es gibt die Impulse, aus denen die Darsteller ihre Szenen erfinden. Der Truppe gehören Schauspieler aus und um Illertissen an, darunter Jörg Zenker, der ein Gelernter ist.

Den Auftakt zur Vorstellung soll ein x-beliebiger Gegenstand aus dem Publikum geben - die Schauspieler bekommen einen Schal gereicht. Sogleich lassen sich zwei Mimen von dieser Requisite zu einer Szene inspirieren. Sie werden von ihren Mitspielern abgelöst, wobei jeder dem Schal eine neue Funktion zuteilt. Die Szenenwechsel gewinnen an Tempo, Laura Sonntag und Roland Berner stolpern und fallen gekonnt, geistesgegenwärtig wird daraus eine Wochenbettszene simuliert – Riesenapplaus. Jörg Zenker zieht den imaginären Vorhang, indem er deutlich hörbar die Filmklappe schließt. Dank dieses Holzinstruments, Lichteffekten, Pianoklängen (Roland Eppelt) und Ansagen vor den Szenen, die gemeinsam eingezählt werden, erhält das Theater-Potpourri seine Strukturen.

Nicht so die „Rezeptfreien“, die in Minutenschnelle von einer Rolle in die andere schlüpfen, noch während des Einzählens sich ihren Auftritt zurechtlegen.

Vorprogrammierte Komik wie in „Dinner for One“

Die nächste Szene gehört ins Charakterfach: Jörg Zenker als definierter „Hahn im Korb“ kann sich vor seinen drei Verehrerinnen kaum retten, wobei je eine sexy, eine vorlaut und eine ihm lispelnd gegenüberzutreten hat. Dann eine neue Ansage: „Wir haben einen Bildungsauftrag“. Tine Bayerle und Roland Berner übernehmen Dolmetscherfunktion, indem sie die hinter ihrem Rücken ablaufenden, von emotionsgeladenem Kauderwelsch begleiteten Handlungen in verständliches Deutsch übersetzen. Die Kunst hierbei, rein vom Zuhören einen logischen Dialog zu formulieren.

Die nächste Herausforderung heißt, eine Drei-Personen-Szene von zwei und zuletzt einem Darsteller spielen zu lassen, wobei die Komik - ähnlich dem „Dinner for One“- Programm ist. Schnelle Kombinationsgabe ist gefragt, als Roland Berner im Kreuzverhör Schandtaten einzugestehen hat, deren Hergang er sich aus den Fragestellungen erst erschließen muss. Doch schnell kommt die vom Publikum vorgegebene Wahrheit anhand verfänglicher Vokabeln wie „ganz gutt, gleich überm Berg oder theo...retisch“ ans Tageslicht, dass er mit seinem Komplizen Theodor zu Guttenberg in die Bäckerei von Roggenburg eingebrochen war.

Schließlich der Höhepunkt gesammelter Theaterkunst bei Gesang und Poesie. Die zugehörige Szene aber höchst unprosaisch mit verunglücktem Motorrad an einer Araltankstelle in Berlin.

Der Nonsense-Dialog zwischen Tine Bayerle als berlinerndem Tankwart und Motorradfahrerin Sigi Motzke aus dem Süden wird auf Zuruf von „Lied“ oder „Gedicht“ gestoppt und gereimt oder operettenhaft gesungen fortgeführt. Köstlich! Das Publikum hat längst Spaß gefunden an der Art von Theater und sich warm geklatscht. Jörg Zenker dankt: „Wir spielen, wovon sie heute Nacht träumen können“, revueartig ziehen nochmals die besten Szenen vorüber.


Südwestpresse, 26.03.2010

Die reine Freude am Schauspiel

Die Freude am Spiel. Die Freude am entdecken und ausprobieren. Die Freude am Scheitern. Diese Eigenschaften verkörpert die Impro-theatergruppe "Rezeptfrei" wie keine andere.

"Ich war auf einem Improvisationsworkshop in Frankreich, als das vorbei war, ließ mich die Idee von einer eigenen Impro-Gruppe nicht mehr los", erzählt Schauspieler und AdK-Absolvent Jörg Zenker. Die Fähigkeit des Improvisierens, das regelmäßige Training, Angebote von seinen Mitspielern anzunehmen und weiterzuspinnen. Das Schärfen der Intuition, eine Situation und Ihre Möglichkeiten zu erkennen und letztlich die Freiheit die man als Schauspieler beim Improvisieren hat, schätzte er sehr. Vor etwa zwei Jahren gründete Zenker die Impro-Theatergruppe "Rezeptfrei".

Wie der Titel, so das Konzept der Gruppe aus Illertissen. Was passiert, wenn wir das Kochbuch im Schrank lassen, den Regisseur mit seinem Textbuch ungehört im dunklen Zuschauerraum sitzen lassen? Wir beginnen unserem Gespür und unserem Gefühl für den unmittelbaren Moment mit all seinen Möglichkeiten zu nutzen. Beim Improvisationstheater und besonders bei der Gruppe "Rezeptfrei" geht es um die Unperfektion, darum den Zuschauer im erleuchteten Saal zum Mitgestalter der Szenen und Geschichten zu machen, welche die Schauspieler auf der Bühne vorführen. Darum, keine Angst vor keinem vorgeschriebenen Text zu haben. Das Ensemble von "Rezeptfrei" besteht aus Neun Schauspielern unterschiedlichen Alters. Es sind die beiden Schülerinnen, Irmela Geller und Laura Sonntag, Siglinde Motzke, Jürgen Knoll, Axel Heim, Roland Eppelt (auch am Piano), Roland Berner und Christine Bayerle. In Ihrem Spielort, dem Jugendhaus in Illertissen, proben sie jede Woche. Denn, obwohl Impro-Theater aus der Inspiration des Moments und der Fantasie des Zuschauers heraus entsteht heißt es auch hier, wie in einem professionellen Ensemble: Proben zu den Vorstellungen, und regelmäßiges Stimm - und Körpertraining.

Jede Vorstellung hat einen konzeptionellen Rahmen. Im Vorfeld wird beschlossen, welche Spiele gespielt werden und wie der grobe Ablauf des Abends ist, der etwa zwei Stunden dauert. Es gibt einen Moderator, der die Zuschauer begrüßt, in den Abend einführt und die Spielregeln erklärt. Das Ensemble wechselt sich in dieser Funktion ständig ab. Wobei es auch dort zu Überraschungen kommen kann, da der Moderator sich das Recht vorenthält, spontane Änderungen zu machen. Insofern erinnert diese Funktion noch am ehesten an einen Spielleiter, einem Regisseur. Feste Rituale sind zum Beispiel das gemeinsame Einzählen ( 5-4-3-2-1 ) vor jeder Szene oder einem Spiel, sowie dass der Moderator mit einer Handbewegung den imaginären Vorhang hochzieht oder herunterlässt oder die Schauspieler die Szene mit Klatschen unterbrechen. Spiele die das Publikum erwarten können sind unter anderem "das Match" wobei sich das Ensemble in zwei Gruppen aufteilt und um die Gunst des Publikums gegeneinander spielen. Beim "Interview" bestimmt das Publikum Ort, Tätigkeit und Person´, mit der sich der Schauspieler konfrontiert sieht, der kurz darauf unwissend in eine Interviewsituation herein kommt. Es gibt eine Unmenge zu entdecken bei "Rezeptfrei": Etwa die Musikeinlagen, begleitet von Roland Eppelt am Piano, bei denen sich die Zuschauer ein musikalisches Genre aussuchen können, dazu einen fiktiven Songtitel und schon wird das Ensemble zu einer Band und der Saal zum Konzerthaus.

Jeder in der Gruppe hat seinen Platz, einen "Chef" gibt es nicht. Jeder trägt dieselbe Verantwortung für sich selbst und für das Ensemble. Jeder gibt sein bestes und versucht die Kollegen mit produktiver Kritik zu unterstützen. Die Unmittelbarkeit die das Theater besitzt, den Zuschauer zum aktiven Mitgestalten des Bühnengeschehens zu machen, nutzt "Rezeptfrei" um daraus ein abwechslungsreiches Miteinander zu konzipieren. Bei den Spielen sieht man das Gefühl für Timing und Pointen, die Bandbreite der Genres von Komik bis Drama. "Es hat seine Zeit gedauert, bis wir uns eingespielt hatten", sagt Siglinde Motzke. Und Roland Eppelt fügt hinzu. "Und das Vertrauen zu entwickeln, zu wissen, was kann ich mit dem Kollegen auf der Bühne machen, sich auch soweit kennenzulernen, das man sich mit den Spielangeboten nicht blockiert sondern den Faden immer weiter spinnt." Für ihre Vorstellungen nimmt die Gruppe keinen Eintritt, sie finanzieren sich durch Spenden. Das Geldverdienen steht für sie an letzter Stelle. Es zählen die Weiterentwicklung als Gruppe, das Abenteuer und die reine Freude wenn das Publikum mit dabei ist und den Countdown einzählt. 5 - 4 - 3 - 2 - 1!

INFO: Die nächste Vorstellung ist heute, Freitag 26. März.. Beginn: 20 Uhr. Ort: Jugendhaus Illertissen. Mehr Infos über die Gruppe gibt es unter: www.rezeptfrei-impro.de


Illertisser Zeitung, 24.01.2010

Rezeptfrei hat die Ideen zum Lachen

von Regina Langhans


Sigi Motzke unterhält sich mit dem Erfinder Roland Eppelt, dessen Bewegeungen aber "fremdgesteuert" sind, indem ein Zuhörer hinter ihm sitzt und die zur Erfindung passenden Gesten übernimmt. Der Erfinder muss eine Erfindung erraten. Foto: Ior

Illertissen. Sie spielen mit dem Zufall, aber sie überlassen ihm nichts, die Darsteller um Jörg Zenker vom Improvisationstheater „Rezeptfrei“. Nach ihrem gelungenen Debüt vergangenen Herbst traten sie erneut im Jugendhaus Illertissen auf und sorgten für Verblüffung und Amusement. Im Zuschauerraum drängten sich Vertreter aller Altersklassen.

Ohne Text auf der Bühne zu stehen, ist im normalen Leben eines Schauspielers der Albtraum - beim Improvisationstheater jedoch der Regelfall. Ein guter Darsteller versteht es, durch Improvisation eine Panne zu überbrücken und das Spiel fortzusetzen, für den Mimen eines Improvisationstheaters besteht der Auftritt im Wesentlichen darin, seine Rolle stets neu zu erfinden. Ob etwa Charaktere gefragt sind, eine Handlung zu konstruieren oder zu erraten ist, ob sich diese bei bestimmten Signalen verselbstständigen soll, die Vorgaben für „Rezeptfrei“ kamen aus dem Publikum und Jörg Zenker führte Regie, gab Kommandos zum Einzählen oder zog den imaginären Schlussvorhang.

Akrobatische Szenen und fehlende Schauspieler

Die Vorstellung ist als Schauspieler-wettstreit konzipiert zwischen den „Grauen“ und den „Rosanen“, indem sie nach gleichen oder gleichwertigen Vorgaben zu spielen haben. Bewertet wird mit Punkten. Ob es darum geht, ein und denselben Florenz-Urlaub mal als frustrierte Eheleute oder als Liebespaar darzustellen oder ob ein Erfinder anhand der an ihn gerichteten Fragen herausbekommen muss, was er eigentlich erfunden hat - das Publikum staunt und beklatscht den Einfallsreichtum auf der Bühne. Geradezu akrobatisch die Szene zum Thema „Rennen“, als die Regie bei jeder Wiederholung einen Darsteller von der Bühne herunternimmt, sodass dessen Rolle von den verbliebenen Spielern übernommen werden muss.

Bereichernd für die Vorstellung Roland Eppelt am Piano, indem er als „Joker“ ins Spiel geht. Schließlich steigert sich die Vorstellung ins Musicalhafte. Von der Oper bis zum Rap wird alles geboten. Das Publikum klatscht vor Begeisterung. Und die Zugabe erweist sich im Nachhinein als geschickt in die Inszenierung eingebundenes Element.

Also doch alles in allem ein perfekt geplantes Theater, nur etwas anders, und es hatte erst gar nicht den Anschein dazu.

Im Rampenlicht

  • Improvisationstheater "Rezeptfrei" unter Regie von Jörg Zenker
  • Auf der Bühne waren
Die Grauen: Sieglinde Motzke, Irmela Geller, Roland Eppelt beziehungsweise später Axel Heim
Die Rosanen: Christine Bayerle, Laura Sonntag, Roland Berner.
Am Piano: Roland Eppelt
  • www.rezeptfrei-impro.de (lor)

Illertisser Zeitung, 27.10.2009

Wenn Improvisation zur Pflicht wird


Jörg Zenker und Christine Bayerle führen
vor, wie "Impro-Theater" geht. Foto: Ior

Illertissen (lor) - Gut 70 Zuschauer aller Altersgruppen waren ins Jugendhaus gekommen, um der Truppe „Rezeptfrei“ zuzuschauen, wie Improvisationstheater funktioniert. Es wurde ein höchst vergnüglicher Abend, wobei das Publikum weitaus mehr gefordert war als in der Rolle des bloßen Zuschauers. Den Auftakt der vielen spontanen Szenen machte das Spiel mit einem beliebigen Gegenstand. Aus dem Publikum kam ein Feuerzeug. „Wir machen damit alles, bloß kein Feuer“, versprach Jörg Zenker, der Regie führte. Das Publikum erlebte, wie das Feuerzeug zum Platzhalter wurde für Ehering, Liebesbrief und weitere Requisiten, um die sich in Windeseile Text und Handlung rankten. Die Zuschauer genossen es.

Informationen bei Jörg Zenker, Telefonnummer 01520/6 61 69 02.



Illertisser Zeitung, 21.10.2009

Improvisationstheater kennt kein Textbuch

von Regina Langhans

Illertissen. „Ein Improvisationstheater braucht kein Textbuch, aber sehr wohl Spielregeln“, erklärt Theatermacher Jörg Zenker. Daher gleiche keine Vorstellung der anderen, und das Publikum gestalte mit. Zusammen mit acht anderen Schauspielbegeisterten soll am Freitag, 23. Oktober, um 20 Uhr im Jugendhaus in Illertissen nach allen Regeln der Kunst improvisiert werden.

Von Spontanität bis Dramatik

Etwa eineinhalb Jahre üben sie sich in diesem Theaterfach, das zwar gelehrt werde, wie der ausgebildete Schauspieler Jörg Zenker aus Bellenberg weiß, aber von keinem Schauspielschüler wirklich geschätzt wird. „Das würde ja ein eventuelles Scheitern beinhalten, dieses Risiko geht niemand freiwillig ein.“ Wer sich jedoch wie die Darsteller von „Rezeptfrei“ auf solches Theaterspiel einlässt, den Konditionen von Spontaneität, gegenseitigem Zuspielen und Eingreifen stellt, erlebt Überraschung, Komik, Spannung bis zur Dramatik pur.

„Das hängt von den selbst gestellten Vorgaben ab wie vom willkürlichen Eingreifen von Seiten des Publikums“, erklärt Jürgen Knoll, seines Zeichens Sozialarbeiter aus Ulm. Im vorgegebenen Rahmen sei alles erlaubt, kein Gedanke, inwieweit die Szene auf die Bühne passt. Allerdings gelte die Regel, dass niemand behindert werden darf, sonst geht nichts voran. „Ich muss annehmen, was kommt, darf nicht blocken“, ergänzt Siggi Motzke. Die Sekretärin aus Illerberg bringt Schauspielerfahrung mit vom „Podium 70“ und fühlt sich vom Improvisationstheater richtig angezogen. Dazu muss sich die Truppe gut kennen, ein Gefühl, das Christine Bayerle, Ergotherapeutin aus Burgau, schätzt. Axel Heim, Elektrotechniker aus Ulm, Roland Bauner, Umwelttechniker aus Senden, Roland M. Eppelt, Informatiker aus Illerkirchberg, die Schülerinnen Irmela Geller und Laura Sonntag aus Illertissen, gehören noch dazu. Sie alle verfügen über mehr oder weniger konkrete Vorstellungen von traditionellem Theater und haben Lust auf diese etwas anderen Regeln der Kunst.

Einfälle gibt es viele

Spielregeln sind etwa, zwei Szenen abwechselnd laufen zu lassen, eine muss immer verharren. Oder das Publikum gibt einen Gegenstand vor, welchen die Schauspieler auf der Bühne unterschiedlich definieren, bis die Szene durch Klatschen abgebrochen wird. Der Vielfalt der Einfälle sind keine Grenzen gesetzt, dabei ist der Eintritt am Freitag frei.

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